Die neurowissenschaftliche Forschung hat große Fortschritte darin gemacht, bestimmte Korrelate bewusster Zustände im Gehirn zu identifizieren – etwa Aktivitätsmuster im präfrontalen Cortex oder synchronisierte Oszillationen zwischen verschiedenen Hirnarealen. Doch so aufschlussreich diese Daten auch sind, sie beantworten nicht die grundlegenden Frage: Wo entsteht das Bewusstsein eigentlich – und wie? Oder sogar "warum"?
Es bleibt eine Leerstelle: Die sogenannte "Explanatory Gap" – die Lücke zwischen objektiv beschreibbarer Gehirnaktivität und subjektivem Erleben. Selbst wenn wir jedes Neuron exakt kartieren könnten, hätten wir damit noch nicht erklärt, warum es sich für ein Subjekt "anfühlt", in einem bestimmten Zustand zu sein. Bewusstsein bleibt in diesem Sinne ortlos – nicht weil es keinen Ort hätte, sondern weil unsere konventionelle Vorstellung von Ort (als Punkt im Raum) möglicherweise nicht auf es anwendbar ist.
(Dieses Thema ist inhaltlich verwandt mit dem Qualia-Thema, aber ich möchte hier zentral auf das Thema "Bewusstsein" eingehen).
Jeder ist herzlich eingeladen!
Eins kann man sagen: Hier entsteht kein Bewusstsein! Ist vorwiegend philosophical braindead hier.


(stimmt leider)
Ich befürchte deine Frage nach dem "Entstehen des Bewusstseins", kommt aus einer ähnlichen Sprachfalle wie das Qualiaproblem.
Wir haben den Begriff "Bewusstsein" und versuchen das jetzt als Objekt zu behandeln. Wir frage nach Wo, Warum und Wie. So als ob die den Menschen aufschneiden könnten, das Bewusstsein rausholen, wiegen, messen und unter ein Mikroskop legen - so wie die Milz.
Ich schlage eine andere Deutung vor:
"Bewustsein" ist kein Objekt, kein Gegenstand oder eine andere fixe Grüße, "Bewusstsein" ist eine Umschreibung für eine unscharfe Menge an Fähigkeiten, die ein Gegenüber an den Tag legen muss damit ich ihm Bewusstsein zuspreche.
Wenn mein Gegenüber sprechen kann und das sagt, was ich in seiner Lage auch sagen würde und dabei auf bestimmte Art und Weise guckt - und idealeweise ein Mensch ist - dann spreche ich ihm auch Bewusstsein zu.
Nicht alle meine Kriterien müssen gleichtzeitig erfüllt sein (daher "unscharf") aber irgendwann habe ich genug zusammen um eine Entscheidung zu treffen.
Da ich hier aber nicht über Eigenschaften urteile, sondern Fähigkeiten, ist letzlich auch Bewusstsein eine Fähigkeit, die eine Gegenüber (Mesch, Tier, Computer, Alien, etc.) mehr oder weniger gut beherrschen kann.
Die Frage ist also nicht, "Wer hat Bewusstsein?" sondern "Wer kann Bewusstsein und wenn ja, wie gut kann er es?"). Ein Mensch kann halt besser Bewusstsein als eine Ringeltaube, aber ein wenig kann sie es eben auch. Bewusstsein ist kein Alles-oder-Nichts-Spiel, es ist graduell.
Da ist eine ganze andere Herangehensweise an das Bewusstseinsproblem - und es löst imho die üblichen Schwierigkeiten, in die man sonst stolpert.
Um auf deine Frage zurückzukommen: Wo entsteht die Fähigkeit Bewusstsein? Sie entsteht - wie alles, was der Mensch kann - in Laufe seiner persönlichen Entwicklung und in vielen seiner Bereiche gleichzeitig.
Das, was watzz über Bewusstsein sagt, halte ich für extrem problematisch. Er beschreibt es als etwas, das sich graduell zeigt – als Fähigkeit, die ein Gegenüber mehr oder weniger überzeugend "zeigen" kann. Aber genau damit verliert er den eigentlichen Gegenstand aus dem Blick. Wenn Bewusstsein nur eine äußere Zuschreibung ist, geht das innere Erleben, das „"wie-es-ist, völlig verloren. Adorno würde hier von der Verarmung des Begriffs sprechen: Der Reichtum und die Tiefe des Erlebens wird zugunsten funktionaler Beobachtbarkeit und flacher Rationalität abgewickelt.
Im Anschluss an Heidegger könnte man sagen: Bewusstsein ist kein Objekt unter anderen, sondern das, was Welt überhaupt erst zugänglich macht.
Der Vorschlag, Bewusstsein als graduelle Fähigkeit zu deuten, verfehlt diese Grundstruktur. Denn das Subjekt, das fragt, „wer kann Bewusstsein“, steht ja selbst immer schon in einem Bewusstseinsvollzug. Diese tiefe Reflexivität fällt bei watzz völlig unter den Tisch.
Kurz gesagt: Der Ansatz will das Problem pragmatisch lösen, aber indem er es funktionalisiert, verfehlt er es. Die Tiefendimensionen von Subjektivität und Innerlichkeit, wie sie etwa Schopenhauer, Adorno oder Heidegger herausgearbeitet haben, kommen überhaupt nicht in den Blick. Stattdessen wird Philosophie als eine Art Denkökonomie betrieben – Probleme, die sich schwer fasssn lassen, gelten dann einfach als „Quatsch“. Aber genau das ist philosophisch fatal. Denn Philosophie beginnt da, wo die Begriffe nicht mehr ausreichen – nicht da, wo man sie entsorgt!
Gefällt mir gar nicht schlecht. Der Käfer in der Schachtel?